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Wie die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise begann wurde bereits an anderer Stelle dieses Blogs dargestellt, mittlerweile dürfte aber die Talsohle bereits hinter uns sowie ein langsamer wenn auch mühsamer Aufschwung vor uns liegen; so zumindest sehen es jene – derzeit noch wenigen – Wirtschafts- und Finanzexperten, die ich für glaubwürdig halte.

Besonders hart getroffen hat die Krise den Autosektor, und 2 der 3 großen US-amerikanischen Autohersteller (GM und Chrysler) riskierten sogar das wirtschaftliche Aus; der dritte große amerikanische Autokonzern, Ford, hielt sich hingegen überraschend gut und musste nicht einmal die staatlichen US-Hilfsgelder in Anspruch nehmen.
Die beiden schwankenden Riesen GM und Chrysler konnten vorerst einen Konkurs abwenden: Bei Chrysler stieg der italienische Fiat-Konzern unter der Führung von Sergio Marchionne ein, während bei GM eine Sanierung durch Rationalisierungen und den Verkauf von Tochterfirmen – u.a. der deutschen Opel – eingeleitet wurde.
Angesichts der enormen wirtschaftlichen Interessen und der Tausenden von Arbeitsplätzen, die dabei ins Spiel kommen, werden die betreffenden Entscheidungen letztlich auf höchster politischer Ebene getroffen; so hat sich bei Chrysler der US-Präsident Obama vehement für das Fiat-Angebot ausgesprochen, während ein entsprechendes Fiat-Angebot für die GM-Tochter Opel von einigen deutschen Politikern sehr kritisch bewertet wurde.

In Wahrheit ist das letzte Wort bezüglich Opel-Verkauf noch lange nicht gesprochen, aber das heimische Tagblatt (S-Prawda) hat die vermeintliche Ablehnung des Fiat-Angebots eilends zum Anlass genommen, der italienischen – und somit “feindlichen” – Fiat und deren Geschäftsführer Sergio Marchionne eins auszuwischen, indem letzterer zum “Absteiger der Woche” gekürt wurde.

"Dolomiten" | 2009-05-23

Nun, dass die Schreiberlinge der S-Prawda weidlich wenig von Wirtschaft verstehen, ist zumindest bei Wirtschaftsfachleuten bekannt, aber in
solchen und ähnlichen Fällen sollten sie sich wohl besser nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Es ist nämlich sehr wahrscheinlich, dass eine endgültige Entscheidung zum Opel-Verkauf erst nach den deutschen Bundestagswahlen im September fallen wird, und sollte die Entscheidung wirklich gegen Fiat fallen, so wäre dies wohl nur eine vorübergehende Lösung, weil ich – mit Verlaub – dem Konzern Magna oder wem auch sonst immer schlichtweg nicht zutraue, den sprichwörtlichen Karren aus dem Dreck zu ziehen: Nach spätestens 1-2 Jahren würde Opel wieder an die Wand gefahren (um beim Bild zu bleiben), und dann würde doch wieder Fiat einspringen, und zwar zu noch günstigeren Bedingungen!

Sergio Marchionne ist nämlich nicht nur der zurzeit beste italienische Industriemanager, er ist einer der besten auf der Welt. Wie er den einst maroden, praktisch pleiten Fiat-Konzern in wenigen Jahren auf Vordermann gebracht hat, das macht ihm so schnell keiner nach, da kann die S-Prawda noch so sehr keifen.
Dass gleichzeitig mit der Häme auf Marchionne das SVP-Büblein Philipp Achammer als Parteisekretär zum “Aufsteiger der Woche” hochgelobt wurde, macht das Ganze nur noch lachhafter, schon allein ob der ungleichen “Gewichte”, welche die beiden Herren auf die Waagschale zu legen imstande sind; das ist gerade so, als ob man einen VW Golf mit einem Ferrari, oder den FC Rüsselsheim mit Juventus Turin vergleichen wollte: ein Unding! Aber mache das mal einer der S-Prawda klar …

PS (2009-09-05): Anbei ein interessantes Video zum Thema – zwar mit Kommentar in italienischer Sprache, aber mit Original-Stellungnahmen in Englisch.

Shortlink: http://wp.me/pdCW4-6B

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